Heimatkunde

Die Bunkerratten begaben sich in den Fläming, um weitere Spuren der Geschichte zu finden. Und was kann besser passen als das Datum 1. Mai? Aber auch der April bietet in Brandenburg einige Gedenktage. Manche sind überregional, manche werden nur in Gemeinden und kleinen Städten begangen.

Treuenbrietzen

So auch der 23. April in Treuenbrietzen. Ein lange verschwiegenes Datum, denn an diesem Tag vor mittlerweile 71 Jahren wurden ca. 1000 deutsche Zivilisten von der Roten Armee erschossen. Zu DDR-Zeiten wurde die Rote Armee als Befreier gehuldigt und da passte es einfach nicht, dass die Befreier unschuldige Zivilisten töten. Das Thema wurde totgeschwiegen.

Am 23. April wurden 131 italienische Zwangsarbeiter, die in Treuenbrietzen in einem Arbeitslager gefangengehalten wurden, von deutschen Soldaten exekutiert. Sebaldushof, so hiess das Arbeitslager, lag vor der Stadt Treuenbrietzen im Wald und dort befreite am 21. April 1945 die Rote Armee die eingesperrten Menschen, unter ihnen Holländer, Polen, Serben, Franzosen, Russen und Italiener. Später, am 23. April 1945 eroberten die Deutschen das Lager zurück und holten die Italiener aus den Hütten, um sie unweit des Ortes Nichel zu erschiessen. 4 von ihnen überlebten die Exekution und nur einer lebt heute noch, der 92-jährige Antonio Ceseri. Warum ausgerechnet die Italiener erschossen wurden, konnte nie geklärt werden. Auch dieses Thema wurde nie öffentlich gemacht.

Erst viele Jahre später, nach der Wende, beschäftigten sich Schüler mit der Erschiessung der italienischen Zwangsarbeitern und gemeinsam mit berliner, brandenburgischen und italienischen Historikern gelang es, den letzten Überlebenden ausfindig zu machen und die Geschichte von damals wieder in den Fokus zu rücken.

Die Schüler kümmerten sich um die Gedenkstätte im Wald, pflegten sie und stellten Informationstafeln auf. Sie forderten die Stadt Treuenbrietzen auf, Antonio Ceseri eine besonderen hohen Würdigung zuteil werden zu lassen.

Mittlerweile wird in Treuenbrietzen der 23. April als stiller Gedenktag zur Ehrung aller damals Verstorbenen begangen. Ein Balanceakt bleibt er dennoch.

Rietz, bei Treuenbrietzen

In Rietz wurden am 22. April 1945 drei Zwangsarbeiter hingerichtet, erschossen an einer Scheunenwand. Ein Junge beobachtete diese Tat. Viele Jahre später errichtete er, längst erwachsen, an diesem Ort eine Gedenkstelle, um an die erschossenen Zwangsarbeiter und ihren sinnlosen Tod zu erinnern.

Hagelberg, bei Belzig

Ein einzelnes Grab für den russischen Soldaten Nikolaj Nikolajewitsch Dzjuba, der hier am 03.05.1945 fiel, befindet sich auf dem kleinen Friedhof des geschichtsträchtigen Örtchens Hagelberg. Wir konnten uns überzeugen, dass das Grab gepflegt wird.

Luckenwalde, Waldfriedhof

Der sowjetische Ehrenhain liegt sehr idyllisch umgeben von alten Bäumen. Es sind über 100 Betonobelisken aufgestellt. Jeder Obelisk trägt einen oder mehrere Namen von russischen Soldaten, die im Frühjahr 1945 in der Nähe von Luckenwalde gefallen sind. Ein Grab eines Soldaten konnten wir für Angehörige ausfindig machen. Major Anton Semjonowitsch Lalin fand hier seine letzte Ruhestätte. Als wir ihn das letzte mal (be)suchten, fanden wir am Rande des Ehrenhaines einen einzelstehenden Grabstein vor, der nicht zu den Obelisken passte. Zudem war er recht verwittert, so dass man den Namen kaum noch entziffern konnte. Diesmal nahmen wir einen Stift mit und malten die Buchstaben auf dem Grabstein nach. Galina Romanovna Schramko, geb. 1924, gestorben (gefallen) 1946. Jetzt kann man ihren Namen wieder lesen.